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Durch tausend Träume sollst du gehen, dann wirst du vor der Wahrheit stehen    


2011 122012 2   Januar 2012  
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Eintrag von lady am 18.1.2012

Das Kind.


Und manchmal, wenn die Müdigkeit mich überkommt, lasse ich ein Gedankenspiel zu. Erinnere mich an das Kind, das verlorene Kind in mir, das mir schon so oft in Träumen begegnet ist und nach Hilfe suchte. In manchen finsteren Nächten nehme ich es an der Hand und führe es zu kleinen Rettern. Zu Menschen, die zuhören und die erklären. Vor allem aber: verstehen.







»Wie ist das so?«

»Was?«
»Sich im Kreis zu drehen«, stieß sie atemlos hervor, »und doch auf der Stelle zu bleiben. Unberührt. Als gäbe es die Umwelt nicht.«
»Es ist wie das Vergessen«, antwortete er und senkte den Blick, ein schwaches Lächeln auf den Lippen.
Sie rückte ungeduldig auf ihrem Platz hin und her. »Erklär mir das.« Es waren ihre Augen, die der ruhigen Aufforderung den nötigen Nachdruck verliehen. Ihr Tonfall verriet nichts, doch ihre Augen ... vom Feuer der Neugierde entfacht.
»Es ist wie das Vergessen«, wiederholte er geduldig. »Schön. Und trotz alledem kann es schmerzlich sein.«
»Das ist paradox!«
»Das ist es.« Seine Mundwinkel zuckten. »Gut aufgepasst.«
»Ich passe immer gut auf!«
»Ich weiß«, sagte er und hob den Blick wieder, um ihn in ihre Richtung zu lenken. Die Pause legte sich wie ein Schatten über den kleinen Platz und schließlich erklärte er weiter: »Es ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas vergisst, an das man nicht mehr denken möchte. Das die eigenen Gedanken dominiert. Auf eine negative Art und Weise. Es macht uns zu Marionetten, steuert uns gegen jeden Willen und lässt uns das Leben aus den Augen verlieren. Doch wenn wir vergessen«, sein Blick schweifte in die Ferne, wissend, mitfühlend, »schneiden wir die Fäden durch. Wir werden wieder Herr unserer Sinne und können uns auf den Blick nach vorne konzentrieren. Die Umgebung und die Menschen wahrnehmen. Verstehst du?«
Er sah sie wieder an. Sie nickte eifrig und eine steile Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen. »Und was ist daran schlecht?«, verlangte sie zu wissen und legte den Kopf schief.
»Wenn wir vergessen, verdrängen, bewegen wir uns nicht von der Stelle. Wir bleiben auf einem Fleck und auch wenn wir die Vergangenheit von uns stoßen, bewusst von uns stoßen, lassen uns die zarten Hände nicht los. Niemals. Selbst wenn wir es meinen, wenn wir denken, dass wir auf die Zukunft zuschreiten, können wir uns ihr nicht vollständig und mit ganzer Seele nähern, wenn das Vergessene nach uns ruft. Uns festhält und das Erinnern fordert.«
»Paradox.« Sie ließ sich das Wort wie Schokolade auf der Zunge zergehen.
»Wie das Leben«, sagte er mit samtener Stimme.



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